Gedanken zur Ökologie unserer Stoffe und weshalb wir manchmal bewusst auf Baumwolle verzichten



Bei der Auswahl der Stoffe sind wir stets bemüht, den ökologischen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Immer mehr neue Materialien, denen ein Umweltgedanke zugrunde liegt, wie Tencel und Lyocell für Kleider und Oberteile (vgl. oben), oder Nevaviscon für Futterstoffe, finden Einzug in unsere Kollektion. Bereits jetzt entsprechen alle verwendeten Stoffe dem Öko-Tex-Standard (vgl. weiter unten).

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Tencel - Lyocell
Lyocell - auch als Tencel bekannt - ist eine sogenannte "Man-made Zellulosefaser", also eine aus natürlichen Rohstoffen industriell hergestellte Faser. Sie wird aus asiatischem oder südafrikanischem Eukalyptusholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt und ist biologisch abbaubar. 

Die Faser hat eine außergewöhnlich glatte Oberfläche mit seidigem Griff, wärmt fast so gut wie Schafschurwolle, kühlt ähnlich wie Leinen und ist saugfähiger als Baumwolle. Dazu ist Lyocell auch nass äußerst reißfest und somit ein sehr langlebiges Material.

Lyocell und die Umwelt
Die neuartige Zellulosefaser Lyocell bietet eine gute, ökologisch sinnvolle Alternative zu anderen Chemiefasern und auch zu Baumwolle. Bei der Herstellung von Lyocell wird nur ein Bruchteil der Wassermenge verbraucht, die für die Produktion von anderen Chemiefasern verwendet wird. Auch Baumwolle benötigt etwa 10-20 mal mehr Wasser. Die Flächen für den Anbau sind zur landwirtschaftlichen Nutzung zum Nahrungsmittel-Anbau nur schlecht oder gar nicht geeignet. Eukalyptus wächst schnell und kommt im Gegensatz zu konventionell angebauter Baumwolle ohne künstliche Bewässerung und Pestizide aus.

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Nevaviscon
Nevaviscon besteht zu mehr als zwei Dritteln aus Viscose. Und Viscose ist 100% Zellulose, also voll und ganz ein Produkt der Natur.

Der hohe Anteil von Viscose macht Nevaviscon zu einem außergewöhnlichen Futterstoff. Viscose hat unübertroffene Eigenschaften. Es nimmt bis zu 14% Feuchtigkeit auf. Das ist wesentlich mehr als Baumwolle. Die Hautfeuchtigkeit wird vom Futterstoff aufgenommen und nach außen transportiert. So sorgt der Stoff für einen guten Temperaturausgleich. Elektrostatische Aufladung und das damit verbundene, unangenehme Kleben und Klettern des Futterstoffs werden verhindert.

Nevaviscon besteht aus zwei unterschiedlichen Materialien, die sich ideal ergänzen: einem feinen Viscosefaden und einem noch feineren Synthetikfaden. Beide werden in einem speziellen Produktionsverfahren zu einem homogenen Garn zusammengefügt. Der geringe Anteil von Synthetik hat sich seit vielen Jahren bewährt und garantiert eine lange Haltbarkeit

Nevaviscon ist waschbar, knitterarm und einfach zu bügeln. Der natürliche Tragekomfort der Viscose und die Gebrauchstüchtigkeit von Synthetik ergänzen sich bei Nevaviscon zur ausgewogenen Mischung.

Nevaviscon und Umwelt

Zellulose wird aus dem Holz der Southern Pine hergestellt. Sie wächst in Baumplantagen im vom Klima verwöhnten Florida. Über 22 Jahre dauert es dennoch, bis der Baum über die notwendige innere Struktur und die Reife zur Viscose-Herstellung verfügt. In Floridas Baumplantagen ist es gelungen, den Baum forstwirtschaftlich als eine sich ständig regenerierende Quelle des Rohstoffs Holz zu nutzen. Holz, das kontrolliert immer wieder in Plantagen nachwächst und nicht planlos abgeholzt wird.

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Polyester
Polyester-Fasern werden in chemischen Prozessen hergestellt und finden im ganzen Bekleidungsbereich Anwendung. Sehr verbreitet sind Mischungen mit Baumwolle und mit Schurwolle.

Polyester-Fasern sind besonders licht- und wetterbeständig und damit widerstandsfähig gegen klimatische Einflüsse, können auch dort eingesetzt werden, wo es vor allem um Leichtigkeit und Feinheit geht und eignen sich sehr gut für Mischungen mit Naturfasern.
Gewebe aus Polyester-Fasern oder Mischungen mit einem entsprechend hohen Anteil besitzen eine geringe Knitterneigung und behalten ihre Formbeständigkeit auch bei Einwirkung von Feuchtigkeit. Polyester-Fasern verfügen über ein gutes Feuchtetransportvermögen, trocknen schnell und sind pflegeleicht.

Polyester und Umwelt
Die Herstellung von Chemiefasern ist mittlerweile wesentlich umweltverträglicher geworden, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Das liegt vor allem daran, dass sich Kunstfasern gut recyceln lassen.

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Baumwolle
Baumwolle gedeiht gut auf schweren Böden. Sie ist bezüglich des Nährstoffgehaltes nicht sehr anspruchsvoll. Wichtig ist aber eine ausreichende Wasserversorgung. In niederschlagsarmen Gebieten sind die Baumwollkulturen daher von künstlicher Bewässerung abhängig.

Die lange Wachstumszeit der Baumwolle erfordert nach der Ernte eine rasche Feldbestellung und Neuaussaat. Besonders auf großen Flächen wird Baumwolle oft ohne Fruchtwechsel mit anderen Nutzpflanzen angebaut. Infolge dieser Monokulturen ist die großflächige Baumwollproduktion stark von Pflanzenschutzmitteln abhängig. Baumwolle gilt als das landwirtschaftliche Produkt mit dem höchsten Einsatz an Chemikalien. Auf Baumwolle entfielen 1999/2000 etwa elf Prozent des weltweiten Pestizidmarktes. Daher gilt sie unter Umweltschutzaspekten als sehr bedenklich.

Baumwollanbau trägt insbesondere durch den hohen Verbrauch an Mineraldünger und Pestiziden erheblich zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß bei. Durch die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts entstehen sieben bis neun Kilogramm Kohlendioxid (CO2).

Der Wasserverbrauch ist problematisch. Er richtet sich nach dem Klima, der Bodenbeschaffenheit und ob die Anpflanzung im Regenfeldbau oder mit künstlicher Bewässerung erfolgt. Für die Menge Baumwolle zur Produktion eines T-Shirts können bis zu 2000 Liter Wasser benötigt werden. Aufgrund dieses hohen Wasserbedarfs erfolgen 75 Prozent des weltweiten Baumwollanbaus auf künstlich bewässerten Feldern.

Baumwolle umweltfreundlicher als Kunstfaser?
Das wichtigste Kriterium für eine gute Ökobilanz von Kleidung ist Langlebigkeit. Egal, ob es sich um Stoffe aus Baumwolle, Bio-Baumwolle oder Chemiefasern handelt: Je länger Kleidung getragen wird, desto besser fällt auch die Umweltbilanz aus.

Je länger die Kleidung getragen werden kann, desto besser für die Ökobilanz - und den eigenen Geldbeutel ...

Denn auch wenn Textilien ökologisch korrekt hergestellt werden, stecken doch in jeder Hose, in jedem Hemd oder T-Shirt jede Menge Ressourcen wie Wasser, Boden oder Energie.

Eine Kunstfaser kann es in jeder Beziehung mit einer Baumwollfaser aufnehmen.

Ganz entscheidend für die Ökobilanz ist der Weg, den ein  Kleidungsstück zurücklegt. Schließlich kann die Baumwolle aus Burkina Faso kommen, jedoch zur weiteren Verarbeitung eine Asienrundreise durch China, Indien und den Philippinen unternehmen, um anschließend genäht und gefärbt wieder in einem deutschen Modegeschäft zu landen. Diese Arbeitsschritte, die stets dem niedrigsten Lohn folgen, verbrauchen natürlich auch Unmengen an Energie.

Trotz der Tatsache, dass die Herstellung synthetischer Kleidungsstücke aus Polyester auf Kosten unserer Ressource Erdöl geht, lassen sich die Vorteile nicht weg diskutieren. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch die Produktion von Modeartikeln aus natürlichen Produkten auf Kosten unserer Umwelt geht.

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Oeko-Tex-Standard
Der Oeko-Tex-Standard ist ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Produkte aller Verarbeitungsstufen (Fasern, Garne, Gewebe, konfektionierte Endprodukte, inklusive Zubehör) entlang der textilen Wertschöpfungskette.

Herausgeber des weltweit einheitlichen Standards ist die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie (Oeko-Tex) mit Sitz in Zürich (Schweiz). Aktuell gehören ihr 15 neutrale Prüf- und Forschungsinstitute in Europa und Japan mit Kontaktbüros in über 60 Ländern rund um den Globus an.

Der Oeko-Tex-Standard 100 wurde 1992 gemeinsam von den Hohenstein Instituten und dem Institut für Ökologie, Technik und Innovation ÖTI (Wien/Österreich) eingeführt. Ziel war es, die im Rahmen von Labortests überprüfte gesundheitliche Unbedenklichkeit von Textilprodukten aus konventioneller Produktion mit Hilfe eines Labels ("Textiles Vertrauen") für den Verbraucher kenntlich zu machen. Mit dem Label versehene Textilien unterschreiten nachweislich die aufgestellten Grenzwerte für bestimmte gesundheitsgefährdende Schadstoffe.

Gleichzeitig wurde mit Einführung des Standards ein weltweit einheitliches Qualitätssicherungssystem für Hersteller und den Handel etabliert, das der abnehmenden Fertigungstiefe in den einzelnen Betrieben der Textil- und Bekleidungsindustrie Rechnung trägt und regional unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe für das Risikopotenzial von Schadstoffen ausgleicht.

Mit Hilfe des Oeko-Tex Zertifikats wird also die Einhaltung von humanökologischen Qualitätsstandards gegenüber nachgelagerten Produktionsebenen sowie dem Endverbraucher dokumentiert.